Das wachsame Hähnchen Als Essen noch eine kleine Stadt war mit hölzernen Häusern und verwinkelten Gassen, als es noch keine Straßenbeleuchtung innerhalb der Stadtmauern gab, da drohten ständig Gefahren: überraschende Feuerbrünste konnten verheerende Auswirkungen haben und nachts war man vor Überfällen räuberischer Banden nie sicher. An einem heißen Sommertag feierten die Essener Bürger die Hochzeit der Tochter des Bürgermeisters. Nach der Trauungszeromonie im alten Münster traf man sich vor den Toren der Stadt um dort den Tag mit Spaß und Tanz zu verbringen. Die Feiern gingen in den Schankstuben noch bis spät in die Nacht weiter, nachdem die Stadttore längst geschlossen waren. Auch der Nachtwächter und der Turmbläser hatten ordentlich mitgefeiert und rechneten nun spät in der Nacht nicht mit einer Gefahr und so legten sie sich beruhigt in ihre Betten. So konnten sie auch die Räuberbande, die die Gunst der Stunde nutzen wollte und sich mit Enterhaken an der Stadtmauer zuschaffen machte, nicht bemerken. Ein Wächter hätte wohl das Klirren der Waffen oder den Wurf des Enterhakens mitbekommen, aber da war ja niemand, niemand ? – doch, ein alter Hahn fühlte sich durch die ungewohnten Geräusche gestörte und beschwerte sich mit lautem „Kickerikiiii, Kickerikiii“ und da zu dieser Zeit noch viele Essener mit dem ersten Hahnenschrei aufstanden, wurde die Räuberbande schnell entdeckt, die Alarmglocken geläutet und die Horde mit Waffengewalt vertrieben. Die Essener sahen aber allen Grund, ihr Abenteuer damit zu beenden, daß sie die Feier des Vortages fröhlich fortsetzten. Ihren Retter, den Hahn, vergaßen sie jedoch nicht. Zeit seines Lebens genoß er jegliche Freiheit und noch heute steht auf dem Kurienplatz gegenüber dem Münster ein Denkmal für das „wachsame Hähnchen“.
