Kohleausstieg

Kohleausstieg – diese Forderung im Ruhrgebiet aufzustellen, ist immer noch etwas Besonderes. Schließlich beruht die Geschichte der Region auf der Entdeckung und der Entwicklung der Kohle.

Das Ruhrgebiet und die Kohle hat den industriellen Fortschritt in Deutschland erst ermöglicht. Natürlich haben daher auch heute noch viele Familien eine Beziehung zum Bergbau. Der Untertagebau ist heute bereits ein Teil der Vergangenheit. Der Braunkohletagebau aber ist noch sichtbar und aktiv.

Das Abbaugebiet um den Hambacher Forst ist das größte Loch Europas. Eine gigantische Zerstörung der Natur. Drei Kilometer in der Breite und 8 Kilometer in der Länge misst das Loch des Braunkohletageabbaus. Die Kohlekraftwerke im Rheinischen Revier sind mit vierzig Jahren die ältesten und schmutzigsten Kraftwerke in Europa. Aufgrund des Alters müssten sie eigentlich schon stillgelegt werden. Einige wurden bereits in Ruhe versetzt.

70.000 Tonnen Co2 stoßen Kraftwerke jährlich aus. Nun kann man sagen das der deutsche Anteil des Kohlendioxidausstoßes von 2,3 Prozent aus der fossilen Verbrennung weltweit nicht so viel ist. Allerdings ist der pro Kopf Anteil der Bevölkerung beim Co2 mit 10 Tonnen bedeutend höher als der der indischen Bevölkerung, dort liegt er bei gerade 2,3 Tonnen.

Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein Westfalen hat sich schon früh auf die Seite der Lobbyisten des Braunkohleabbaus geschlagen. Mit dem Argument die 20.000 Arbeitsplätze bei der Kohle schützen zu müssen, wettert er gegen die Befürworter des Kohleausstieges. 

Allerdings müsste ihm die Stellungnahme des DIW bekannt sein. Dieser sieht aufgrund der Altersstruktur der Beschäftigten im Tagebau mit nahender Verrentung und Möglichkeiten sozialer Absicherungen lediglich noch bei 5000 Arbeitern , die von Arbeitslosigkeit bedroht sein könnten, wenn der Ausstieg 2030 erfolgen sollte.

Eine solche Zahl sollte für engagierte Politiker durchaus mit Hilfe von Strukturmaßnahmen aufzufangen sein. Schließlich bietet alleine eine Renaturisierung der Flächen schon Beschäftigungspotenzial. 

Erfreulicherweise wird im Rheinischen Revier im Bezug auf Renaturisierung schon einiges von den verantwortlichen Konzernen getan. Das ist leider in der Lausitz nicht der Fall. Die DDR hat nur die Energieerzeugung gesehen, nicht die Wiederherstellung der Natur. Viele Gewässer in angrenzenden Regionen des Tagebaus sind verseucht oder durch den absinkenden Grundwasserspiegel trocken gelegt. 

Zwar flossen bereits 1,5 Mrd. Euro zur Unterstützung in die Region und es sind weitere 10 Mrd. genehmigt, aber da gibt es sehr viel zu tun. Auch in der Lausitz ist es die vordringliche Aufgabe sich um den anstehenden  Strukturwandel und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen zu kümmern.

Die Kohlekommission in Berlin wurde bereits aufgefordert sich nicht nur um einen Ausstieg zu kümmern, sondern sich auch mit den Folgen zu befassen.

Kohleausstieg machbar

 
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent, bis 2030 um 55 Prozent, bis 2040 um 70 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren. Allerdings sind für das 2020er Ziel bisher lediglich 27 Prozent umgesetzt.

Mehr als 80 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen sind energiebedingt und stammen  aus Energiewirtschaft, Gebäude und Verkehr.

Neue Technologien, alternative Energien, wie Gaskraftwerke werden den Preis für die billige Energie aus den Braunkohlekraftwerken nicht halten können. Allerdings haben Studien ergeben, dass es lediglich zu einer moderaten Preiserhöhung um 20 bis 30 Euro kommen wird. Das müssten die Gesundheit und das Klima uns wert sein.

Forschungsinstitute halten den Kohleausstieg bis 2030 für realisierbar, ohne das Stromausfälle und extreme Preissteigerungen zu befürchten wären. Der Zeitraum ist auch lange genug um in den drei Braunkohlerevieren einen Strukturwandel zu schaffen.