der bessere Mensch

der bessere Mensch ? – Thema der Sonntagsfragen im WDR war die Frage was haben die Vögel dem Menschen voraus? Oder „Ist der Vogel der bessere Mensch ?“

Zu Gast war der Umweltschützer und Autor Ernst Paul Dörfler. Bekannt durch sein Buch aus der DDR Zeit „Zurück zur Natur“, das in der DDR unter Umweltaktivisten Kultstatus erreichte. Dörfler erforschte auch das Liebesleben der Vögel und schrieb darüber Bücher. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Buch mit dem Titel „Nestwärme“.

Mit dem Thema: „Mensch – Vogel „ habe ich mich vor einiger Zeit auch schon einmal befasst. Vögel haben eine ausgeprägte soziale Struktur. Die Familie und Kinder stehen im Vordergrund. Zu 90 Prozent leben Vögel auch in einer festen Beziehung. Obgleich man das wohl noch nicht so komplex erforscht hat. Zum Überleben der Art können weibliche Vögel sich auch schon einmal mit anderen männlichen Exemplaren ihrer Art einlassen. Ein großer Unterschied zum Menschen ist das Verhältnis von Mann und Frau. Bei den Vögeln hat eigentlich die Frau das „Sagen“. Sie bestimmt ob sie den Partner akzeptiert und in den meisten Fällen ist der Bau und die Ausstattung der „Wohnung“ – des Nests , auch Frauensache.

Vorteil – Vogel der bessere Mensch

Ein gewaltiger Unterschied zum Menschen ist das Verhalten der Arten untereinander. Mir ist nicht bekannt, dass Vögel durch Kriege versucht haben eine andere Art auszurotten, oder dem Menschen den Krieg erklärt haben. Das gibt es wohl nur im Film „Die Vögel“ von Alfred Hitchkock. Die Kriegsführung obliegt offensichtlich dem Menschen. Auch gegenüber den Vögeln führt der Mensch in manchen Situationen Krieg. So zum Beispiel beim Vergraulen von Tauben, die ganze Straßenzüge besetzt haben und mit Kot überziehen. Oder um den Lärm der Krähenscharen nicht mehr ertragen zu müssen.

Der Erfindungsreichtum des Menschen ist dabei immens groß. Vom Austausch des Taubengeleges durch Gipseier, oder den Einsatz von „Legionären“ wie einem Falkenpaar. In Soest ging ein Landwirt gegen Krähen vor, indem er einige getötete Krähen mit dem Kopf nach unten zur Abschreckung aufhängte.

Eine Art Folter betrieben Menschen mit dem Einsatz von Laserpointern, um die Vögel nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Da hat man wohl von Mao gehört, der in China über mehrere Tage die Sperlinge ausrotten ließ, weil er meinte diese würden die Ernte schädigen. Dumm nur, dass er damit auch die Fressfeinde der Schädlinge tötete, die dann flächendeckend die Ernten vernichteten. Die Folge war der Tod tausender Chinesen.

In Australien ging sogar das Militär gegen Emus vor, weil die Landwirte sich durch tausende Emus in der Existenz bedroht fühlten. Drei Soldaten mit Maschinengewehren rückten gegen die Vögel vor, konnten aber nur knapp 50 Vögel töten, weil die Gewehre Ladehemmungen hatten. Erst als man eine Prämie auf jeden toten Emu aussetzte, wurden 55.000 der Vögel hingerichtet. Die Aktionen gingen als „Emukrieg 1932“ in die Geschichte ein. Schließlich kam man dann auf die gloreiche Idee, dass Emus ja flugunfähig sind und zäunte die Felder ein. Damit war das Problem dann endlich gelöst.

Wenn man sich diese wenigen Details zu Gemüte führt, kann man durchaus zu dem Schluß kommen, dass wohl doch der Vogel der „bessere Mensch“ ist.

30 Millionnen Tote – China und der Feldsperling –

China – was passiert wenn die Welt ohne Vögel ist, zeigt ein Geschehen im kommunistischen China zur Zeit von Mao Zedong . Dieserwollte mit seiner Politik „der große Sprung“ den Anschluß an die großen Wirtschaftsnationen schaffen. Er ließ im ganzen Land kleine Stahlwerke erbauen und wollte mit Großbritannien, das damals der führende Stahlhersteller war, gleichziehen. Die Landwirtschaft sollte mehr produzieren und für große Gewinne sorgen. Um das zu erreichen wollte er die vier „Plagen“ der Landwirtschaft beseitigen lassen. Das waren Mücken, Ratten, Fliegen und der Feldsperling, die er als Gegner einer guten Produktion ansah. In einer gewaltigen Aktion rief er 1958 die Chinesen zur „Großen Spatzenkampagne“ auf um für eine landwirtschaftliche Produktionssteigerung zu kommen.

Die Tötung der Sperlinge in China

Kinder kletterten auf Bäume um die Nester der Spatzen zu zerstören. Millionen Chinesen standen auf Straßen und in Dörfern und nutzten Tröten und Trommeln um die Vögel daran zu hindern sich zu setzen. Das ging über Stunden und die erschöpften Vögel fielen tot vom Himmel, Tiere die nicht gleichder Erschöpfung erlagen wurden erschlagen. So erging es natürlich nicht nur dem „Erzfeind Feldspatz“. China war binnen weniger Tage Vogelfrei. Zwei Millionen Vögel, 100.000 Tonnen Fliegen und 11.000 Tonnen Mücken wurden vernichtet.

Ergebnis einer verheerenden Politik

Die Folgen der Populations Zerstörung wurden bald deutlich. Die natürliche Vernichtung von Insekten war nicht mehr gegeben, bereits 1960 mussten anstelle der Sperlinge Bettwanzen vernichtet werden.  Heuschrecken vielen über die Ernte her. Felder erbrachten keine Ernte und eine der größten Hungersnöte der Geschichte begann.

30 Millionen Chinesen verhungerten infolge der Vernichtung der Vögel. Andere Schätzungen gehen sogar von einer weit größeren Todesrate aus. Erst nach dem Tode Maos gaben die Regierenden zu das der Sperling ein nützlicher Vogel ist und man begann aus der ganzen Welt Vögel zu importieren. Noch Heute sind die Folgen der Vernichtung in China wahrzunehmen. Der Sperlingsbestand hat sich noch nicht wieder erholt.