Verschollen

verschollen – das ist mein Eindruck seit Anfang August. Gemeint sind die Vögel in unserem Garten, hier inmitten des Ruhrgebietes. Von allen Arten die im Frühjahr und zum Sommeranfang zu sehen waren, sehe ich zur Zeit nur alle paar Tage einmal ein paar Kohlmeisen. Diese kommen immer zur gleichen Zeit, gegen 08:30 Uhr mit der gesamten Familie und sind sofort wieder verschwunden. Also lediglich eine Stippvisite.

Selbst das allgegenwärtige Rotkehlchen läßt sich nicht mehr blicken und die Amseln, auch immer etwa vier bis fünf gleichzeitig, sind verschollen. Bei der Amseln mache ich mir Sorgen, ob nicht etwa der Usutus Virus etwas damit zu tun hat. Aber es ist zum Glück auch nirgendwo ein toter Vogel zu sehen.

Einen Gimpel habe ich neulich kurz beobachten können. er, der sonst immer mit seiner Angetrauten kam, war allerdings alleine zu sehen. Sein traurig klingendes ” diü, diü “, höre ich am Morgen von einem Baum. Sein Lockruf wird aber zur Zeit wohl nicht erhört. Zu sehen ist er im Laubwerk aber nicht. Bis vor zwei Wochen war auch der Stieglitz noch zu hören, aber jetzt ist das große Schweigen angesagt.

verschollen
Eichelhäher

Verschollen – wegen der Mauser

Wir haben Anfang September, da geht so langsam die Zeit der Mauser vorbei. Das Prachtkleid ist im Schrank und das Schlichtkleid so gut wie fertig. Einige hatten während der “Umzugsphase” ja auch Probleme mit dem Fliegen, deshalb habe ich die Hoffnung das sie sich nun bald wieder blicken lassen. Klar, einige wie die Mauersegler, die sonst abends ihre Kreise zogen um Insekten zu fangen, sind ja bereits die weite Reise gen Süden angetreten. Dafür werden nun bald Andere aus dem Norden kommen.

verschollen
Kohlmeise

Gerade als ich die Zeilen, die ich gestern Abend begonnen habe, am Morgen des 10. Septembers zu Ende bringe, sitzt gegenüber im Baum ein Eichelhäher, den hatte ich das ganze Jahr über nicht in der Nähe unseres Gartens. Eine schöne Überraschung, am frühen Morgen und wie zum Trost kommt jetzt auch noch die Kohlmeise und das lange verschollene Rotkehlchen, als wollten sie sagen: ” Immer mit der Ruhe, mein Freund, bald sind wir alle wieder da !”

verschollen
Rotkehlchen

Circadiane Uhr

Circadiane Uhr – “die Innere Uhr”. Man ging immer davon aus, dass der Beginn der Vogelgesänge im Zusammenhang mit dem Tageslicht und den Aktivitäten des Vogels steht. Nunmehr haben Versuche in abgedunkelten Räumen ergeben, dass Vögel einen etwa 24- stündigen Rhythmus nutzen. Eine innere Uhr.

Bei manchen Vögeln schlägt diese Uhr schneller, bei anderen langsamer. Sie ist also nicht beständig. Bei einer “langsam schlagenden Uhr” beginnen Aktivitäten später, bei der “schneller schlagenden Uhr”, früher. Das bezeichnet man unter dem Begriff Circadiane Uhr.

Vögel sind durch diese innere Uhr bereits auf den kommenden Tag vorbereitet. Das bedeutet, dass sie ihren Hormonhaushalt, die Körpertemperatur und Stimmung bereits voreingestellt haben. Sie können den Tag sofort aktiv beginnen.

Circadiane Uhr ist der Wecker

Die circadiane Uhr stellt den Wecker für die Vögel dar. Die Sonne, Temperatur und Wetter stellen die Uhr ein. Sie sind der Zeitgeber der inneren Uhr.

Auch Umweltfaktoren und Lichtintensität wirken sich auf die Uhr aus. Während der eine Vogel bei der ersten Dämmerung singt, beginnen andere erst bedeutend später mit dem Gesang. Man glaubt, dass das mit den Tagesaktivitäten (voreingestellt) zusammenhängt. Untersuchungen an Vögeln ergaben, dass der dämmerungsaktive Vogel einen größeren Augendurchmesser hat. Bei den verschiedenen Individien gibt es wie beim Menschen den Frühaufsteher und Langschläfer.

die Jahresuhr der Vögel

Auch bei der “Jahresuhr” der Vögel gibt es die circadiane Uhr. Der Verhaltensforscher Eberhard Gewinner stellte bei Versuchen mit mehreren Vogelarten fest, dass bei stets gleich bleibenden Bedingungen von Licht- und Temperatur, ein präziser Ablauf der Mauser und der Zugunruhe festzustellen war.

Es existiert also ein circidaner Kalender. Diese Kalender – Uhr läuft allerdings schneller als das Kalender – Jahr. Die Regulierung liegt wohl in der Länge des Tageslicht. Hinzu kommen Faktoren wie Nahrungsbedingungen und Wetterbedingungen.

Durch die globalen Veränderungen geraten die “Zeitpläne” der Vögel in Gefahr. Ein immer früher eintretender Frühling oder Herbst durch den Klimawandel, verändert die Reaktionen der Vögel auf diese Veränderungen. Einige Arte können da nicht mithalten und ändern ihr Verhalten nicht. “Wettervögel” sind eher in der Lage sich umzustellen als “Kalendervögel”. Der Wettervogel kann sich bedeutend schneller an eine neue Situation anpassen. Das gelingt den Vögeln mit festen Zug- und Zeitprogrammen oft nicht. Ein Beispiel ist der Kuckuck, der aufgrund des verspäteten Ankommens aus dem Winterquartier seine Eier in Nester ablegt, in den die Brut des Wirtsvogel jetzt eher schlüpft, als das “Kuckuckskind”. So geschieht es, dass das Kuckuckskind aus dem Nest geworfen wird und der Bestand des Kuckucks abnimmt.

Die Tagesuhr und die Jahresuhr der Vögel kann sich auch durch die hohe Beleuchtung der Städte, durch die Lichtverschmutzung, verändern. So konnte man feststellen, dass die Stadtamseln früher Brutbereit sind, als die Verwandten auf dem Lande.

Infos aus “Schattenblick” – “Der Falke” – -Dr. Barbara Helm-Ornithologin Max Planck Institut für Ornithologie.