Rewilding

Rewilding – während in Deutschland Politiker und Jagd- und Bauernverbände den Beschuß , die „Entnahme“ von Wölfen fordern, beschreitet man in anderen Regionen Europas einen neuen Weg.

Das Stichwort ist „REWILDING“ – Verwilderung – durch Entdomestizierung – vom Haustier zum Wildtier. Das Ziel ist anders als beim Artenschutz nicht der Erhalt eine Art, oder die Natur zu schützen, was zwar auch dazu gehört, sondern die Wiederansiedlung ehemals vorhandener Fauna und die Wiederherstellung verschwundener Ökosysteme. Durch die Megafauna sollen sich Landschaften selbständig wieder entwickeln. In Absprache mit den Bewohnern der Regionen soll die Landschaft sich selbst verändern.

Was ist Megafauna ?

Früher sah die Fauna in Europa ähnlich aus wie in den Nationalparks Amerikas. Seit 1950 der Artenschutz in Europa installiert wurde, stieg auch die Artenvielfalt. Auch Megafauna entwickelte sich langsam neu. Als Megafaun bezeichnet man die großen Raubtiere und Pflanzenfresser wie Bären und Elche , Wisente oder Bison und die großen Hirsche. Diese stellen also den Anteil der Tiere dar, die im Habitat die größten Organismen stellen. Die nächst kleineren Organismen fallen unter den Begriff Makrofauna und die kleinen Organismen bilden die Mikrofauna.

Yellowstone und Rewilding

In Europa leben in 22 Ländern doppelt so viele Wölfe wie in den USA und 17.000 Bären. Mit Rewilding sollen natürliche Abläufe wieder neu entstehen, ohne menschlichen Eingriff. Erstmals wurde Rewilding im Yellowstone Nationalpark durchgeführt. Durch den Einfluß des Menschen war das Ökosystem im Park durcheinander geraten. Die Raubtiere waren verschwunden oder ausgerottet. Den großen Pflanzenfressern fehlten die natürlichen Feinde und sie konnten sich in Ruhe vermehren. Da keine Gefahr bestand, fraßen sie seelenruhig die Vegetation im Park. Erst durch die Wiederansiedlung des Wolfes konnte sich die Vegetation erholen. Der Fluchtinstinkt der Pflanzenfresser war neu geweckt, sie zogen wieder umher, ohne ein ganzes Gebiet kahl zu fressen, weil der Wolf ihnen auf der Spur war. Die Bestände wurden natürlich reguliert. Das Ökosystem entstand neu.

Polnischer Urwald

Als einer der letzten Urwälder Europas gilt der Bialowieza Urwald an der polnisch – weißrussischen Grenze. Seit hundert Jahren hat der Mensch dort nicht mehr eingegriffen. Im Wald leben wieder Bären und der Luchs, aber auch die großen Pflanzenfresser wie der Elch. Das Ökosystem wird durch die Tiere intakt gehalten. Die Pflanzenfresser nagen zwar auch an der Vegetation, aber durch die Anwesenheit der Raubtiere nur in einem gewissen Maße. Außerdem hinterlassen sie im Kot wieder Nährstoffe im Boden, die sich der Wald zunutze macht.

Die Tiere schaffen auf natürlich Weise Lichtungen im Wald, was den Bäumen zu Gute kommt. Der Grund benötigt Licht zum Wachsen und Keimen. Ohne die Pflanzenfresser würde der Urwald so dicht, dass es wieder Schaden verursachen würde.

Rewilding Europa

Rewilding Europa ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Nijmegen. In etwa zehn Regionen Europas engagieren sich Wissenschaftler, Freiwillige, Schüler und Studenten. In den kleinen Niederlanden kann der Besucher sich bei einem Objekt in die afrikanische Savanne versetzt fühlen.

Ökosystem Oostvaarderplassen

Rewilding
pixabay Marky_Mark

Das Naturentwicklungsgebiet Oostvaarderplassen in der Provinz Lelystad entstand durch Trockenlegung eines Teiles des IJsselmeeres. Das klappte aber nicht richtig, weil weiterhin Teile des Polders bewässert waren. So wurde die Fläche nicht landwirtschaftlich in Benutzung genommen, sondern sich selbst überlassen. Schneller als erwartet bildete sich ein Tiefland-Riedmoorgebiet. Eine große Artenvielfalt der Vogelwelt entstand.

Nach und nach wuchsen immer mehr Büsche und man ließ die Flächen durch Graugänse beweiden. Die Ansiedlung von Megafauna durch Rothirsche, Heckrinder und Konikpferden sorgten für die Entstehung eines neuen Ökosystems, das sich alleine durch die dort lebenden Tieren entwickelte. Das 5600 ha große Gebiet und beinhaltet zu einem Drittel trockene und zu zwei Dritteln feuchte Biotope. Die Gewässer haben einen großen Fischreichtum und die Artenvielfalt am Land und im Wasser nimmt zu. Dazu gehören Seeadler, Fischadler Löffler und andere. Die Herden wachsen ständig, werden aber nicht durch den Menschen reguliert. Auch Zufüttern im Winter ist verboten. Im Winter 2017 kamen unzählig viele Tiere ums Leben, weil sie verhungerten.

Die Tiere die in den Sommermonaten genug Energie gespeichert hatten überlebten. Zuvor hatte man schon in Erwägung gezogen die hohe Anzahl der Herden zu regulieren. Es kam auch zu Protesten, weil die Zufütterung untersagt wurde. Dennoch hat man es schließlich einfach hingenommen und nicht angezeigt. Die Bestände erlitten einen Verlust um 60 Prozent in diesem Winter 2017. Wenn man so will, hat die Natur also dafür gesorgt, dass ein normales Leben wieder in der „Savanne“ möglich war.

Man verzichtet auch darauf den Wolf als natürlichen Feind der großen Pflanzenfresser anzusiedeln, weil man damit rechnet das er den Weg dorthin von alleine findet.

Erkenntnisse für die Wissenschaft.

Die Ergebnisse aus der Entwicklung in den Niederlanden zeigen Wissenschaftlern das Europa früher einmal nicht nur aus riesigen Waldflächen bestand. Es muß durch die großen Pflanzenfresser wie Wisent, Wildpferde und Auerochse auch große Offenlandschaften gegeben haben.

Rewilding befasst sich auch mit der Rückkehr ausgestorbener Arten. In Portugal versucht das TaurOs Project mit einer Züchtung aus verschiedenen Rinderarten, wie dem Maronesa Rind den Auerochsen wieder zu installieren. Die DNA befindet sich noch in diesen Rindern. Auerochsen müssen lange Beine haben und ein großes Horn, um sich gegen Beutegreifer wehren zu können.

In Rumänien wurden ganze Landflächen durch den Rückgang der bewirtschafteten Flächen sich selbst überlassen. Die Bewohner der Orte verloren ihre Lebensgrundlage und viele verließen ihr zu Hause.

Hier kommt Rewilding ins Spiel. Mit der Akzeptanz der Gemeinden siedelt man zum Beispiel den Wisent wieder an. Das Ökosystem entwickelt sich wieder neu und die Bewohner erhoffen sich durch die Megafauna einen eintretenden Tourismus in ihre Region. Naturfreunde, Tierfotografen, Hobby Ornithologen werden die Touristen sein die sich zuerst für neu entstehende Artenvielfalt interessieren.

Festzustellen ist, dass der ganz oben erwähnte Wolf im deutschen Ökosystem lediglich einen Regulierungsgrad von 10 – 15 Prozent erreicht. Der Mensch ist in Deutschland noch immer derjenige der die Natur steuert und wohl auch steuern und regulieren will. Das eine natürliche Regelung des Ökosytems bedeutend besser ist zeigen die Projekte von Rewilding Europa.

Viele Infos aus dem ARTE Film „Die Natur kehrt zurück“ – In der Mediathek verfügbar bis 11.06.2019

Oekosystem Meer

Wie gesund das Oekosystem Meer ist, lässt sich leicht anhand der im System lebenden Seevögel beobachten. Deren Entwicklung  gilt hierbei als maßgebend.

In den letzten 60 Jahren ist ein dramatischer Rückgang der Gesamtpopulation zu verzeichnen.

Michelle Paleczny, Studentin und Forscherin des UBC – Masters sammelte Informationen zu mehr als 500 Seevogelbeständen weltweit.

Sie stellte fest, dass die Population um 69,6 Prozent zurückgegangen ist. Das entspricht 230 Millionen Vögel.  Diese Entwicklung zeigt eindeutig, das mit dem Ökosystem Meer etwas nicht stimmt.

Das  kranke Oekosystem

Die Überfischung der Meere raubt den Vögeln die Nahrungsgrundlage. Hinzu kommen Ölverschmutzung, Plastik und Fangnetze in denen sich die Seevögel verheddern und ertrinken. Weitere Faktoren sind die Veränderung des Lebensraumes und die Folgen des Klimawandels.

Vor allem der Albatros verfängt sich häufig in Fangnetzen und stirbt. Seevögel sind aber durch den abgebenden Dung wichtiger Bestandteil der Küstenregionen. Sie bringen mit ihren Ausscheidungen Nährstoffe in die Regionen.

Die Studie von Paleczny und weiteren Forschern der University of Technology in Sydney, Australien, ist die erste ihrer Art und wurde im PLOS ONE publiziert.

Durch die industrielle Fischerei verhungern Pinguine, da ihr Beuteschema dem der Fischer entspricht. Forscher des französischen National Zentrums für wissenschaftliche Forschung in Montpellier und der Sea Around US Initiative der Univerity of British Columbia haben herausgefunden das der jährliche Konsum von Seevögeln von 70 auf 57 Millionen Tonnen zurück ging. In der gleichen Zeit erhöhte sich die Fangquote von 59 Millionen Tonnen auf 65 Millionen Tonnen jährlich,

Das verminderte Nahrungsangebot ist Ursache für den Verlust eines Viertels der Pinguine und der Hälfte der Seeschwalben und Fregattenvögel.

Die Forscher beobachteten etwa 60 Prozent der weltweiten Seevögelpopulationen. Am stärksten gefährdet sind die Arten die vom Arktischen Krill, vom Tintenfisch und von Heringen und Sardinen leben.

Das Oekosystem Meer ist chronisch Krank und es wird Zeit gegenzusteuern.

Cappuccino Bär

Cappuccino Bären , so nennt man die aus der Paarung von Eisbär und Grizzly geborenen Bären. Die Erwärmung an den Polkappen schreitet schnell voran und zwingt die Eisbären sich zu entscheiden.  Wandern sie gen Norden, in die noch tief gefrorenen Regionen, oder Richtung Kanada, auf das eisfreie Festland in ein neues Leben. Noch hat man die Bilder des Fotografen Paul Nicklen vor Augen, die einen ausgemergelten, dem Hungertod nahen, Eisbären zeigen. 

Bestandverluste ?

Es stimmt, das in einzelnen der Regionen die Bestände abnehmen, allerdings geben die Zahlen der UICN ein anderes Bild ab. Wurden vor fünfzig Jahren noch 6000 Eisbären genannt, konkretisierte man eine Zahl von 22000 Tieren, die man  vor zehn Jahren meldete, vor drei Jahren auf 31000 Tiere. Bei dem Bild von Nicklen handelt es sich um einen Einzelfall. 

Cappuccino – Bär

Die meisten wanderwilligen Eisbären entscheiden sich für das eisfreie Gebiet auf dem Festland. Hier müssen sie ihr Leben völlig umstellen, sie müssen lernen Lachse zu fangen und Karibus zu jagen, wie ihr Verwandter, der Grizzly. 

Das gemeinsame Erbgut besteht aus einer Zeit vor zwei Millionen Jahren, als der Eisbär sich vom Grizzly abspaltete. Vom Grizzly sehen sie sich nun die Jagd- und Fangmethoden ab. Hierdurch kommt es zwangsweise zu Begegnungen der beiden Arte, aus denen dann der „Cappuccino Bär“ hervorgeht. 

Der Wolf – das unbekannte Wesen

Der Wolf – die Rückkehr

Wolf siedelt sich wieder an

Wolf – bei der Erwähnung seines Namen fallen gleich viele Märchen und Mythen ein, die  sich um das geheimnisvolle Tier ranken  . Nun, da er vermehrt wieder in unseren Regionen gesichtet wird, müssen wir uns mehr mit ihm auseinandersetzen.

Während die Einen sich freuen, dass dieses Tier wieder in den heimischen Wäldern zu finden ist, haben andere Angst um ihr Vieh und Angst vor dem Raubtier Wolf.

Der Einsame

Der einsame Wolf – ihn gibt es eigentlich nicht. Einzig der junge Wolf auf der Suche nach einem Rudel ist alleine anzutreffen. Es dauert aber meist nicht lange bis er in einer neuen Familie aufgenommen wird. Der junge Wolf gibt dem Rudel neue Kraft und sorgt für erfolgreichere Jagden. Der Leitwolf erhält Konkurrenz in der Führung des Rudels. Wölfe zeichnen sich durch ein starkes Sozialverhalten aus.

soziales Verhalten

Kranke und alte Tiere werden vom Rudel mit versorgt, das geht so weit, das das Fressen vorgekaut wird, damit die Alten es aufnehmen können. Der Wolf benötigt ausgedehnte Wälder. Am Verhalten des Wildes kann man bereits feststellen ob der Wolf eine Region erreicht hat, ohne ihn zu Gesicht bekommen zu haben.

So berichtet Deutschlands bekanntester Förster Peter Wohlleben das sich das Reh und Hirschwild bei der Anwesenheit eines Wolfrudels hauptsächlich auf Freiflächen und Lichtungen aufhält, weil es als Hauptbeutetier des Wolfes den Feind im freien Gelände eher erkennt als im dichten Wald. Hier ist es der Hatz des Wolfes unterlegen ist.

Dieses wiederum hat zur Folge, dass der Wald sich erholt. Die jungen Triebe der Bäume im Unterholz werden durch den Aufenthalt des Wildes auf den Freiflächen geschont.

regenerierter Wald

Das Wachstum des Waldes wird positiv verändert. Der regenerierte Wald wiederum hält durch das entstehende neue Wurzelwerk und Totholz das Wasser der Bäche vor dem tiefen Einsickern des Wassers in den Boden ab. Der Biber kann sich wieder ansiedeln und Dämme bauen, andere Arten leben auf. Derartige Beobachtungen machten Forscher in den USA im Yellowstone Nationalpark. Ein russisches Sprichwort lautet :“ Wo der Wolf hingeht, wächst der Wald.“

Ist der Wolf nun eine Gefahr für unser Wild und unser Vieh? Bei der großen Anzahl an Reh ,Hirsch und Großwild in Deutschland ( 50 – 70 Rehe – Hirsche – Großwild pro Quadratkilometer) ,  besteht für diese Arten keine Gefahr. Der Wolf benötigt für seine Jagd Reviergrößen von mehreren hundert Quadratkilometern. In einem kleinen Revier würde er schon bald alle Beutetiere verjagt haben.

Peter Wohlleben berichtet von lediglich einer Rasse, die der Wolf in der Lausitz ausgerottet hat. Hierbei handelte es sich um das,  vom Menschen eingesetzte, Muffelschaf das eigentlich ein Hochgebirgstier ist und in der Ebene nicht überlebensfähig ist.

Kotproben des Wolfes ergaben das 99,3 Prozent seiner Beute aus Wildtieren besteht. Nicht einmal jede Hundertste Probe stammte von einem Weidetier. Diese entsprechen eigentlich nicht seinem Geschmack. Außerdem erhalten Geschädigte großzügige Entschädigungen vom Staat und Unterstützung bei Schutzmaßnahmen. Ein Ernteverlust in manchen Jahren von dreißig Prozent durch Mäuse wird als unveränderbar hingenommen.

Ein Keiler erreicht ein Gewicht von etwa 150 Kilo und wäre ohne weiteres in der Lage einen Menschen anzugreifen, allerdings passen wir bei ihm und eben auch beim Wolf nicht in sein Beuteschema, weshalb es auch so gut wie nie zu einem Angriff kommt.

15 Jagdunfälle im Jahr halten auch nicht vom Waldbesuch ab. Wohlleben empfiehlt daher eine Kamera dabei zu haben, um bei Sichtung eines Wolfes ein gutes Bild zu schießen, danach soll man sich bemerkbar machen und der Wolf wird sich trollen.

Wolf

Biodiversitätsforschung -Jenaer Experiment

– zu starke Düngung

Biodiversitaet – das Jenaer Experiment

Biodiversitaet. Das größte Experiment in der Forschung  der Universität Jena, untersucht die Auswirkungen des globalen Artensterbens. Das Ergebnis präsentierte Prof. Wolfgang Weisser von der TUM München.

Die biologische Vielfalt (Biodiversitaet) beeinflusst etwa die Hälfte der Prozesse im Ökosystem. Intensive Grünlandbewirtschaftung erzielt keinen höheren Ertrag als eine hohe Biodiversitaet. Intakte Ökosysteme sorgen für das Überleben aller Lebewesen. Fruchtbare Böden, sauberes Grundwasser sind der Grundstock für die Produktion von Lebensmitteln, ebenso die Bestäubung der Früchte durch Bienen.

Die Langzeitstudie belegt die Folgen des Artensterbens für das Ökosystem. Erste Veränderungen treten nach vier bis fünf Jahren ein. Bei der Biodiversität zeigen sich Auswirkungen bei der mikrobiellen Atmung des Bodens oder in der Entwicklung der Bodenfauna.

Bei fortschreitendem Artensterben zeigen sich die Wirkungen ebenfalls erst nach mehreren Jahren. Das Ökosystem funktioniert schlechter. Durchgeführt wurden 80.000 Messungen auf über 500 Parzellen. Artenreiche Wiesen hatten eine höhere Produktivität als artenarme Wiesen. Zusätzliche Düngung, häufiges Mähen hatten denselben Effekt.

Die Förderung bestimmter Arten durch Düngung ist demnach nicht effektiver als die Natur. Die Biomasse artenreicher Wiesen war deutlich höher als bei artenarmen Wiesen, aber annähernd gleich hoch wie bei subventionierten Arten.