Stille – das Schweigen der Vögel

Stille – kein einziger Laut ist zu hören. Ich stehe auf der kleinen Terrasse vor unserem Garten und höre außer dem Fahrgeräusch eines Autos – nichts. Kein Vogel singt und am Futterhaus ist auch niemand zu sehen. So geht es seit ein paar Tagen. lediglich eine Kohlmeise kommt noch ab und zu zum Futterhaus. Alle anderen – Rotkehlchen, Gimpel, Blaumeise, Grünfink und so weiter sind verschwunden.

Nur Rüdiger läßt gegen Abend noch etwas von sich hören. Aber auch nicht jeden Abend. Rüdiger ist „unsere Amsel“. Immer wenn die Amsel ihren Gesang abspult, sagt meine Frau :“ das ist Rüdiger“. Der Ruf hört sich tatsächlich so an als würde er immer wieder nach „rüüüdiger, rüüüdiger“ rufen.

Stille
Rüdiger

Meine Frau hat wieder einige neue Pflanzen eingesetzt, heimische, nicht wie in Nachbars Garten nur exotische. An unseren Pflanzen sollen sich die Insekten, die noch da sind, wohl fühlen. Wenn meine Frau mit Erdarbeiten beschäftigt ist lauert direkt hinter ihr das Rotkehlchen in der Hoffnung auf einen dicken Wurm. Auch die Amsel wartet mit einem etwas größeren Abstand auf eine lohnende Nahrung. Heute waren die Beiden nicht zu sehen.

Wie gesagt, die Stille herrscht in unserem Garten. Die Vögel haben ihre aktive Zeit beendet und die Gesangsbereitschaft geht gegen Null. Jetzt, fast Mitte Juli und bis Ende August ist auch nicht mehr mit viel Gesang zu rechen. Das kann ich in dem „Falke – Gesangskalender“ ablesen. Ein paar Arten werden noch mit „geringer Gesangsaktivität“ angezeigt.

Die Pause endet bei der Amsel etwa Anfang September. Dann beginnen auch Mönchsgrasmücke und Zilpzalp wieder mit zaghaftem Gesang. So ist es auch bei Blaumeise und Kleiber. Gimpel und Rotkehlchen gehören zu den wenigen Arten die durchgehend zu hören sind, wenn auch stark mimimalisiert.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als abzuwarten bis unsere gefiederten Freunde sich vom Streß der Kindererziehung und der Erhaltung ihrer Niststandorte erholt haben. Das man sie jetzt nicht so oft sieht, hängt sicher auch mit der vergangen Hitzeperiode zusammen. Da halten auch die Vögel sich lieber im Schatten der belaubten Bäume auf. Das Laub an den Bäumen ist jetzt so dicht, dass es eh schon schwer ist einen Vogel darin zu finden. Freuen wir uns auf die Zeit, wenn sie uns wieder mit ihrem Gesang und ihrer Anwesenheit erfreuen. In der Zwischenzeit können wir ja etwas für ihr Wohlergehen tun.

Der stumme Sommer

Die Vogeluhr steht still

der stumme Sommer – 05:30  Uhr , nachdem ich gerade wach geworden bin,  fällt mir auf das die Vögel so still  sind. In den letzten Monaten hat uns der vielstimmige Gesang der Singvögel bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang erfreut. Jetzt aber ist es still, eine Amsel ist entfernt zu hören. Früher habe ich mich oft gefragt was da wohl passiert ist, dass es plötzlich über Wochen keine Vögel mehr zu hören gibt.  Hat es etwas damit zu tun was Rachel Carson in ihrem Buch „der stumme Frühling“ beschreibt?

Ein ganz normaler Vorgang – der stumme Sommer

Nein, zum Glück nicht, heute weiß ich das es ein ganz normaler und logischer Vorgang ist. Im Frühjahr in der Balz, beim Wetteifern um eine Partnerin muss ein Vogel zeigen was er kann und wenn dann nach der Paarung die Brut verpflegt werden muss, gilt es auch noch das Revier abzugrenzen und die Familie zu beschützen, da muss man sich schon klar bemerkbar machen. Dann kommt die Zeit wo die Kleinen flügge wurden und das Nest verlassen. Ruhe kehrt ein, der Stress ist vorbei und man kann sich erholen. Jetzt muss bereits neue Kraft getankt werden um sich für  den Flug in den Süden zu rüsten. Anders gesprochen ist es die Zeit wo wir Menschen ein paar Wochen Urlaub machen, um uns ebenfalls vom Stress zu erholen.

Ruhe ist eingekehrt

Die Vögel müssen nun auch kein  Revier mehr verteidigen , also kann man auch morgens seine Stimme schonen. Für den Hobby Ornithologen und Tierfotografen gibt es jetzt bedeutend weniger zu beobachten. Erst im September, wenn die ersten „Gäste“ aus dem Norden unsere Region erreichen, ändert sich die Situation wieder. Gönnen wir unseren „alten Vögeln“ die Ruhe und harren wir der Dinge die da kommen.